Ergebnisorientiert bewerten, Vergangenheits-Bias: Warum Du nicht so schlau bist, wie Du denkst

Menschen treffen ihre Entscheidungen oftmals auf Basis Ihrer Erfahrungen aus der Vergangenheit. Nur wer sich davon immer wieder mal trennt, wird sinnvolle Entscheidungen treffen.

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Der Vergangenheits-Bias / Prägung (Engl. Hindsight Bias) tritt auf, wenn wir in die Vergangenheit schauen und alle Anzeichen von Problemen auf uns wirken lassen, um schließlich festzustellen, dass die Fehler von heute früher schon erkennbar waren.

»Ich habe es Dir doch gleich gesagt« ist ein Satz, den wir alle hassen. Er nervt vor allem, wenn er von Menschen kommt, die es einen eigentlich nicht gesagt haben.

Trotzdem: Der Effekt »ich wusste es die ganze Zeit« kommt in jedem von uns zu einer passenden Zeit hoch.

Ein typischer Fall: Man fährt mit seinem Partner auf eine Kreuzung zu und ist sich nicht sicher, welcher Weg der richtige ist. Beide haben eine unterschiedliche Meinung. Ziemlich sicher wird einer von beiden irgendwann sagen: »Ich habe es doch gleich gesagt.«

Das Problem dabei ist, dass zum Zeitpunkt der Entscheidung beide unsicher waren. Sonst hätte man sauber argumentieren können, warum der eigene Vorschlag besser war. Bis dahin war es aber nur ein Gefühl von »ich denke wir müssen nach rechts«.

Wenn sich der andere Weg dann als falsch herausstellt, wird durch das bekannt werden der Wahrheit das eigene Gefühl im Geiste zu einer richtigen Entscheidung.

Die Gefahr hinter ergebnisorientierten Bewertungen

Typisch ist der Fall auch für das Pokern. In meinem Artikel über Entscheidungen in Unsicherheit habe ich diesen Punkt noch gar nicht erwähnt.

Pokerspieler, die ein enormes Investment auf sich nehmen, um einen Bluff aufzudecken, liegen häufig falsch. Das Investment war schlichtweg falsch und ein »Fold« wäre richtig gewesen.

Doch wenn sie einmal einen Bluff aufdecken, sagen sie sich: Ich wusste es doch. Damit bestätigen sie Ihrem Gehirn, dass die Entscheidung richtig war, obwohl sie mathematisch, statistisch und spieltheoretisch Unsinn waren.

Schwerwiegender wird es bei Ärzten, die eine Einschätzung über eine Verletzung oder Krankheit geben sollen. Es ist nicht unüblich, dass mehrere Ärzte konsultiert werden, um kritische Fälle zu beurteilen.

Die Geschichte hat jedoch gezeigt, dass häufig die Ersteinschätzung des vorherigen Arztes als Grundlage für die eigene Entscheidung genommen wurde. Zahlreiche Krankheiten von Patienten wurden durch solche Fehler in der Methodik nicht aufgedeckt – mit fatalen Folgen.

Gleiche Erfahrungen wurden in Gerichtssälen, in Gemeinderäten, in der Kindererziehung und in Unternehmen.

Unternehmerische Entscheidungen sind oft falsch

Jede Entscheidung, die wir als Unternehmer treffen, wird nie 100 % korrekt sein. Wir wägen immer zwischen pro und contra ab. Unser Gefühl und unserer Erfahrung bewegt uns dann zur richtigen Entscheidung.

Man sagt: Wenn ein Unternehmer viele Entscheidungen trifft und in 51 % der Fälle richtig liegt, wird er erfolgreich sein. Dies stimmt zwar nur, wenn alle Entscheidungen die gleiche Wirkung hätten, doch der Ansatz hilft.

Es gehört zu einem erfolgreichen Unternehmertum dazu, im Nachhinein seine Entscheidungen zu bewerten. Dieser Artikel soll nicht davon abhalten dies zu tun!

Wichtig ist, dass wir uns bei dieser retrospektiven Behandlung bewusst machen, dass die Entscheidung zu dem Zeitpunkt, als wir sie getroffen haben, richtig war.

Wir treffen in der Regel nicht mit Absicht Fehlentscheidungen.

Hinterher sind wir alle schlauer und Entscheidungen können sich als unprofitabel oder schmerzhaft herausstellen. Doch darauf dürfen wir nicht schauen.

Viel wichtiger sind die Überlegungen mit Blick auf die Zukunft:

  • Welche Daten kann ich bei der nächsten Entscheidung einbeziehen?
  • Wen könnte ich vor meiner Entscheidung um Rat fragen?
  • Was sind die Kenngrößen, auf die ich immer achten sollte?

Wir sind immer nur so gut, wie das Wissen, dass wir momentan haben.

Immer bessere Entscheidungen treffen, um Fehler zu vermeiden

Die Folge der Überlegung ist, dass wir lernen können, richtige Entscheidungen zu treffen.

J. Scott Armstrong veröffentlichte in seinem Buch Principles of Forecasting einige Ideen, wie der Blick in die Zukunft besser gelingt.

Der wichtigste Aspekt im Buch dreht sich um eine Idee, die ich in nahezu allen Artikeln erwähne. Schreibe alles auf.

Wer seine wichtigen Entscheidungen kurz dokumentiert und die Gründe dazu aufschreibt, der kann sachlich darauf zurückschauen, welche Entscheidungen er aus welchen Gründen getroffen hat.

Ich möchte Dir vom ganzen Herzen das Buch Der Ein-Minuten-Manager empfehlen. Darin zeigt Ken Blanchard, wie es ein Manager schafft, seine Mitarbeiter durch mehr Eigenverantwortung zu führen.

Das kurze Aufschreiben von Entscheidungen und Gründen ist neben vielen weiteren spannenden Aspekten, ein wichtiger Bestandteil seiner Lehre.

Nur so lässt sich der Spruch »das habe ich doch gewusst« vermeiden.

Wenn Du stets lernst bessere Entscheidungen zu treffen, wirst Du ohne Zweifel erfolgreich.

Jeder Bereich des Lebens ist davon abgedeckt. Achte auch darauf, dass Du Deinen Mitmenschen nicht nervige Sprüche aufdrückst und erinnere Sie daran, dass Du zum Zeitpunkt der Entscheidung alle Aspekte abgewogen hast.

Ich glaube, wir werden uns in einer besseren Welt befinden, wenn wir uns der Prägung aus schwachen Informationen der Vergangenheit bei unserer Bewertung entziehen.

Du kannst damit beginnen, in Deiner Familie oder in Deinem Büro die richtige Kultur zu schaffen.

Zielorientiert bewerten ist der Schritt zum Erfolg

Statt Ergebnisse zu bewerten, sollten wir Ziele bewerten. Die Zielorientierung bei Bewertungen setzt sich gerade stark im Personalwesen durch.

Statt einzelne Ergebnisse unter die Lupe zu nehmen und auf Basis des eigenen Wissens als vorgesetzter einzuschätzen, sollten die Methoden und Entscheidung eines Mitarbeiters unter der Berücksichtigung der Unternehmensziele getroffen werden.

  • Wurden die Entscheidungen unter Rücksichtnahme auf unsere Ziele getroffen?
  • Wie können wir dafür sorgen, dass Entscheidungen in der Zukunft besser getroffen werden können?
  • Welches Wissen und Daten benötigt mein Kollege dafür?

Wir können unseren persönlichen Erfolg, den Erfolg unseres Unternehmens und das Glück unserer nahen Mitmenschen durch diese Rücksichtnahme deutlich steigern.

Wenn Du bis hier gelesen hast, bedanke ich mich mit den Worten: »Ich habe es doch gleich gewusst!« 😀

Veröffentlicht von

Gero Gode

Money Coach Gero Gode gründete über 10 Unternehmen in 10 Jahren und betreibt einen Family & Friends-Fonds mit 30 Mio. Euro Volumen. Seine Lehren und Erfahrungen aus über 10 Jahren intensiven Forschungen hat er im Spiel-des-Geldes-Programm (SDG) zusammengeführt.

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